Gedenken an Zohra Mohammed Gul in Berlin-Pankow : Linke Gruppen erneuern Vorwürfe gegen die Polizei

300 Menschen haben in Pankow gegen Femizide protestiert und an Zohra Mohammad Gul erinnert. Mehrere Rednerinnen gaben der Polizei eine Mitschuld an ihrem Tod.

Gedenken an Zohra Mohammed Gul in Berlin-Pankow : Linke Gruppen erneuern Vorwürfe gegen die Polizei

Blumen wurden am Tatort niedergelegt. Zohra Mohammad Gul wurde dort am 29. April von ihrem Ex-Mann getötet.Foto: Alexander Fröhlich

Am Sonntag haben in Pankow 300 Menschen gegen Femizide protestiert und an die vor einem Monat getötete Zohra Mohammad Gul erinnert. Die 31-Jährige war am 29. April von ihrem Ex-Mann an einer Kreuzung brutal mit mehreren Messerstichen um ihr Leben gebracht worden.

Die Veranstalter – vornehmlich linke Gruppen – hatten den Aufzug auch als Gedenken an die Afghanin angekündigt. Doch in den Reden ging es vornehmlich um Aufrufe für eine sozialistische Revolution zur Befreiung der Frauen, gegen Faschismus, das Kapital, das Grenzregime der EU – und gegen patriarchale Strukturen.

Ein Teil der Gruppen, die zu der Demonstration in Pankow aufgerufen haben, haben keine Berührungsängste zum Umfeld palästinensischer Terrororganisationen wie Samidoun. Das Gruppe ist Teil der Auslandsnetzwerks der Terrororganisation „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ PFLP. Einige Gruppen der Anti-Femizid-Demonstration hatten in der Vergangenheit bereits gemeinsam mit Samidoun zu antiisraelischen und antisemitischen Protesten in Berlin aufgerufen.

Mehrere Rednerinnen gaben der Polizei eine Mitschuld daran, dass Zohra Mohammed Gul nicht mehr am Leben ist. Die Polizei hätte der Frau nicht ausreichend geholfen und sie nicht genügend geschützt. Die Verantwortlichen in der Polizei müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Im Kampf gegen Femizide, also den Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechts, sei die Polizei ohnehin keine Hilfe, denn sie sei durchzogen von Rassismus und patriarchialen Strukturen.

Zwei Frauen, Angehörige der Getöteten, forderten von den Behörden Aufklärung und Schutz für die sechs Kinder von Zohra Mohammed Gul. Sie legten am Tatort Blumen nieder.

Wie Tagesspiegel-Recherchen bereits gezeigt haben, treffen die Vorwürfe der Veranstalter so nicht zu. Erstmals war Zohra Mohammed Gul Ende Februar von ihrem Mann angegriffen worden, sie hatte sich von ihm getrennt. Die Polizei registrierte dann zwei weitere Fälle – zuletzt eine Woche, bevor sie getötet wurde.

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Bereits nach dem ersten Angriff waren mehrere Behörden eingeschaltet worden und seither mit dem Fall befasst, sie versuchten der Frau zu helfen. Der Mann erhielt in der Flüchtlingsunterkunft, in der die afghanische Familie mit sechs Kindern im Alter von knapp drei bis 13 Jahren seit Anfang 2020 gelebt hat, Hausverbot.

Gedenken an Zohra Mohammed Gul in Berlin-Pankow : Linke Gruppen erneuern Vorwürfe gegen die Polizei

Angehörige der Getöteten forderten von den Behörden Aufklärung und Schutz für die sechs Kinder von Zohra Mohammed Gul.Foto: Alexander Fröhlich

Der Versuch, sie in einem Frauenhaus unterzubringen scheiterte, weil für die freien Plätze kein Junge über 12 Jahren erlaubt war. Eine Ein-Zimmer-Wohnung für sich und ihre sechs Kinder lehnte die Frau ab, ebenso den Umzug in einen anderen Bezirk – weil die Kinder in Pankow in Schule und Kita verwurzelt sind.

Auch ein Antrag auf Kontaktverbot gegen den Mann lag 14 Tage vor der Messerattacke beim Familiengericht vor – es hatte jedoch Nachfragen, weshalb es nicht sofort entschied. Da die vorherigen Attacken nicht so schwer waren, dass der Mann in Untersuchungshaft genommen werden konnte und das Familiengericht das Kontaktverbot noch nicht erlassen hatte, konnte die Polizei nicht härter gegen den Mann durchgreifen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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