Mit dieser Tunnel-Sperrung verliert Berlin an Lebensqualität


            Mit dieser Tunnel-Sperrung verliert Berlin an Lebensqualität

Seit dem 20. April aus Sicherheitsgründen gesperrt: Der Autotunnel Schlangenbader Straße in Wilmersdorf Foto: Ufuk Ucta

Von Gunnar Schupelius

Allgemein sagt man, die Autobahn sei ein Problem. Doch tatsächlich kann sie viele Probleme lösen, meint Gunnar Schupelius.

Die Stadtautobahn wird ja meistens als Problem empfunden: … zu laut, zu viele Abgase, zu viel Beton usw.
Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Die Probleme beginnen erst dann, wenn es keine Autobahn gibt. Diese Erfahrung machen derzeit die Anwohner im südlichen Wilmersdorf rund um den Breitenbachplatz.

Dort ist die A 104 unterbrochen, die durch den Schlangenbader Tunnel führt. Der Tunnel wurde am 20. April gesperrt, weil der Brandschutz dort nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Es gibt keine Notruftelefone, keine Lautsprecher und Kameras, die Fluchttüren sind nicht gut beleuchtet, die Entlüftung ist zu schwach.

Die A 104 diente täglich zehntausenden Autofahrern als Verbindung zum Stadtring A100. Seitdem die Autobahn unterbrochen ist, versuchen sie, durch die Wohngegenden in Richtung Stadtring zu gelangen.

Die umliegenden Straßen quellen über, es bildet sich ein Stau nach dem nächsten, Tag für Tag. Dort, wo der Verkehr floss, steht er jetzt.

Besonders betroffen sind der Südwestkorso, die Dillenburger Straße, die Wiesbadener- und die Laubacher Straße. Aber auch weiter weg in der Pacelliallee und rund um den Platz am Wilden Eber fahren jetzt Autokolonnen.

Die Verkehrsverwaltung versuchte, die Schleichwege in Schmargendorf zu schließen. Die Schlangenbader– und die Sodener Straße wurden zu Einbahnstraßen erklärt. Jetzt quält sich der Verkehr durch die noch kleinere Sylterstraße.

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Alle Anwohner sind verärgert, die Autos in den Nebenstraßen sind eine Plage. „Ich kann vom Balkon aus erkennen, dass die meisten Autofahrer, die jetzt hier durch die Straße rasen, die eine Hand am Lenkrad und in der andere am Handy haben“, berichtet die Anwohnerin Dina Quttaineh. „Das bedeutet: Kleine Kinder und ältere Menschen haben keine Chance, da ein Ausweichen aufgrund der Enge der Straßen nicht möglich ist.“

Dieses Chaos wurde fahrlässig herbeigeführt. Es war lange bekannt, dass der Schlangenbader Tunnel renoviert werden müsste. Doch die zuständige Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) wollte den Tunnel ohnehin dauerhaft geschlossen sehen.

Die Nachfolgerin Manja Schreiner (CDU) lässt erst jetzt die Instandsetzung prüfen. Selbst wenn der Tunnel repariert wird, wird es noch lange dauern, bis die Fahrzeuge wieder rollen können.

Eine andere Möglichkeit, den Verkehr aufzufangen, gibt es nicht. Die A 104 hatte ganz klar eine entlastende Funktion für alle Anwohner und sie könnte sie auch wieder haben.

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Genau das trifft auch für die A 100 zu, die nach Treptow verlängert wird und später durch Friedrichshain bis zur Storkower Straße führen soll. Die Gegner halten die Autobahn nicht für „meschengerecht“. Die Menschen aber, die in ihrer Wohngegend durch diese Autobahn entlastet werden, sehen das ganz anders.

Eine Stadtautobahn ist nichts anderes als eine breite Straße ohne Kreuzung und Ampeln. Nichts spricht dagegen, außer man möchte das Auto abschaffen. Das aber will die ganz große Mehrheit der Berliner nicht.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de

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Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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