Wir brauchen wieder Straßenfußballer


            Wir brauchen wieder Straßenfußballer

Michael Lachmann schreibt wöchentlich seine Berlinkicker-Kolumne Foto: Guenther

Von Michael Lachmann

Zugegeben, das Abschneiden auf internationalen Niveau in den letzten Jahren war nicht gerade berauschend. Ausnahme vielleicht die Vizeeuropameisterschaft der Frauen vor einem Jahr. Doch das frühe WM-Aus der MVT-Truppe vor einigen Tagen relativierte auch dies als Momentaufnahme.

Schnell ist man bei der Fehleranalyse mit der These zur Hand, dass es Deutschland an Straßenfußballern fehle. So wie Gerd Müller einer war, oder Rudi Völler. Ober ganz bestimmt die beiden Berliner Pierre Littbarski und Thomas Häßler.

Doch es gibt sie noch, diese Kicker mit dem außergewöhnlichen Talent, die meistens in Fußballkäfigen, Bolzplätzen oder einfach auf dem Hinterhof ihre Künste am Ball erlernten und perfektionierten.

Sich ein Bild ihres Könnens kann man sich auf der Social-Media-Plattform TikTok verschaffen. Hier bietet die Skillers Academy mit über 10 Millionen Klicks im Monat den jungen Straßenkicker eine Plattform, in kurzen Videos ihr Talent zu präsentieren.

Die Akademie rief mit dem „Skillers Combine“ einen Wettbewerb ins Leben, um den Spielern die Chance zu geben, gescoutet zu werden. Unter über 3000 Bewerbungen wurden 20 Kicker im Alter von 15 bis 17 Jahren ausgewählt, um schließlich in einer Art Finale den Besten unter ihnen zu küren.

Unter diesen Top 20 befinden sich auch zwei 14-jährige Berliner Kicker: Ali Salman von Hertha BSC und Kajum Nazari von Tennis Borussia.

Reise in die Vergangenheit

Ali hat auf der Straße das Fußballspielen gelernt, gilt mit seinen Tricks als verspielter Kicker. Beeindruckend ist die Geschichte von Kajum. Im Alter von 7 Jahren ist er zusammen mit seinem Bruder aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. In einem Dresdner Kinderheim fand er zum Fußball, was ihn schließlich zu TeBe führte. Vielleicht krönen sich beide Talente eines Tages mit einem Profivertrag. Ihr Beispiel zeigt, dass es sich lohnt, ein Auge auf die Straßenfußballer zu legen.

Vielleicht sollte auch der DFB seine Herangehensweise mit Akademie, starren Trainings- und Wettkampfformen überdenken. Mehr Mut zu Individualismus – dann klappt es vielleicht auch mal wieder mit einem Titel.

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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